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  • patrikje

Das Licht der Welt

Aktualisiert: 20. Apr.

Ein Baby kommt zur Welt.

Ein neues Leben erblickt das Licht dieser Welt.

Staunen. Wir beWUNDERN dieses herrliche, unschuldige, vollkommene Geschöpf.


Wir lieben es bedingungslos. Es braucht nichts zu tun. Nichts zu können. Es ist nur da. Und wir spüren diese Liebe uns erfüllen, wie wir es nie zuvor gespürt haben. Keine Liebe reicht an diese Liebe heran. Sie ist so stark, dass wir darin baden könnten, für immer und ewig. Nichts sollte sich daran je wieder ändern. Nichts anderes ist wichtig.


Und dann... die Wochen verstreichen. Dieses vollkommene Geschöpf öffnet die Augen, erblickt seine Umwelt. Schenkt uns sein erstes Lächeln. Wir sind verzückt.


Es passiert ganz schleichend, heimlich. Erste Erwartungen schleichen sich ein. Es wird vermessen und gewogen. Wann lächelt es wieder? Erste Normen werden darüber gestülpt. Ist es in der Norm mit Gewicht, Grösse. Trinkt es genug? Wann lernt es den Kopf selbstständig anzuheben? Man fängt an es zu vergleichen. In der Babygruppe... Im Babyschwimmen. Auf dem Spielplatz...


Langsam und schleichend verwandelt sich dieses vollkommene, unschuldige und perfekte Licht der Welt in ein Objekt. Plötzlich fängt die Umgebung an, Bedingungen zu stellen, Normen aufzustellen. Es hat zwar noch «Welpenschutz», aber je grösser es wird, desto mehr nimmt dieser ab. Das Kind wird erZOGEN. Es wird daran herumgezogen, bis es in die Norm passt, die wir als Gesellschaft definiert haben. Vorbei ist es mit der bedingungslosen Liebe.


Was passiert mit dem Kind? Diesem wundervollen Geschöpf Gottes? Dem Licht, dem Wunder dieser Welt? Es erlischt noch nicht, aber es wird zugedeckt mit dem Staub dieser Welt. Das Ego ist geboren. Es will eigentlich dahin zurück, zur Liebe und bedingungslosen Anerkennung. Aber dafür muss es sich anpassen, anfangen zu kämpfen. Um Anerkennung, Lob, Liebe. Der Kampf hat begonnen. Der Krieg hat begonnen...




Jahrzehnte später: müde, ausgelaugt, fertig mit der Welt. Der Kampf ist verloren. Die Kräfte dahin. Vom ehemaligen Lichte ist schon lange nichts mehr zu sehen. Ausgelöscht. Vergessen.

Aber bevor ich mich selbst am Strick erhänge, ist da eine Stimme.. sie ist ganz leise, aber jetzt, da ich endlich aufgehört habe zu rennen, zu kämpfen, zu funktionieren, dringt sie wieder zu mir durch.


Es ist die Liebe. Ich nenne sie Gott. Sie flüstert mir zu: erinnere dich! Du bist das Licht der Welt. Diese Worte klingen fremd. Sie passen nicht zu dem Bild, dass ich von mir gezeichnet habe über die Jahrzehnte. Das die Gesellschaft mir übergestülpt hat. Im Gegenteil. In ihren Augen bin ich mangelhaft. Nicht mehr zu gebrauchen. Ausschuss. Aber sie sehen mich nicht. Auch ich selbst sehe mich nicht. Ich habe keine Ahnung, wer ich bin. Wer ich wirklich bin. Dieses Licht der Welt. Dieses perfekte, vollkommene, bedingungslos geliebte Geschöpf, dass ich in den Augen Gottes noch immer bin. Daran haben die vielen Jahre kämpfen und scheitern oder auch siegen nie etwas geändert. In den Augen der Liebe bin ich nach wie vor genau das: Liebe und geliebt. In der bedingungslosen Liebe gibt es keine Normen, keine Erwartungen und daher keine Mängel und Enttäuschungen. Sie sieht mich nach wie vor so, wie ich am ersten Tag meines Lebens war. Sie liebt mich nach wie vor mit dieser unveränderten Stärke. Ich bin noch immer dieses Wunder, bedingungslos geliebt.

Ich erinnere mich. Wenn ich lange und tief in mich hineinhorche. Wenn ich die Lautstärke dieser Welt und meiner eigenen Gedanken und Urteile für einen kleinen Moment zur Seite legen kann. Plötzlich fühle ich es, dieses Licht. Diese Liebe. Diese Bedingungslosigkeit. Dann erfüllt mich der Friede Gottes. Es gibt nichts zu tun. Nichts zu erreichen. Alles ist da. Alles ist perfekt in diesem heiligen Augenblick. ICH BIN perfekt in diesem heiligen Augenblick. ICH BIN einfach da.


ICH BIN.


Ich bin das Licht der Welt.


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